Renaissance: "Naissance" - ist die
Geburt. Geboren wurde Venus - aus wildem Meeresschaum. Herangespült, in
einer beachtlich voluminösen Muschel. Die ganze Szenerie in Öl auf
Leinwand fixiert von Sandro Boticelli um 1478 n. Chr.
Neben dieser
im ganzen recht attraktiven Dame wird noch etwas anderes,
Übergeordnetes, geboren. Und zwar geboren aufs Neue - Renaissance - die
Wiedergeburt - und gemeint ist damit die Wiedergeburt der Antike. Im
speziellen ist es die römische Antike, welche Vorbild für den neuen
Kunststil wird.
Während im europäischen Nordwesten mittelalterlich-düster gregorianische Choräle durch die Kirchen hallen und sich der Hufschlag schwerer Streitrösser am Mauerwerk gotischer Spitzbögen bricht, finden die Herrscherfamilien Italiens, allen voran das Haus Medici, rasches Gefallen an der Anmut der neuen Stilistik.

Rippengewölbe: Gewölbe, bei welchem die Rippen ein Traggerüst bilden, zwischen welches die lastende Gewölbeschale als eine Art Membran (Kappe) gespannt ist.
Rollwerk: Beschlagwerk
Romanik: Mit den ottonischen
Königen und Kaisern, welche ihr Stammgebiet in Sachsen hatten, kam es zu
einem ersten wirklich eigenständigen Baustil auf deutschem Boden, der
Ottonik (ungefähr 950 - 1024 n. Chr.)

Diese Vor- oder Grundstufe der Romanik zeigt im
Kirchenbau noch kaum eine Einwölbung der Innenraumdecken. Wie bei der
Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode findet sich im Hauptschiff noch
eine flache Decke auf hölzernen Stützbalken. Noch ohne Einwölbung des
Hauptschiffes, zeigt dieser über 1.000-jährige Bau bereits viele
wesentliche Merkmale der Romanik: zwei Chorräume, einer im Osten und
einer im Westen sowie eine Doppelturm-fassade. Basilika-Bautyp mit einem Haupt-
und einem Querschiff sowie zwei an das Hauptschiff angeschmiegte
Seitenschiffe.
Den
ottonischen Herrschern folgten die Salier. Und diesen folgten die
Kaiser aus dem Adelshaus Hohenstaufen - in der Zeit um 1030 bis 1200 n.
Chr. Der gesamt-architektonische Grundeindruck: einfach, klar, mächtig -
die Mauern, kraftvoll - die Formen, in sich ruhend, einfach - ungehobelt
und grob in “Bewegung” und die Ausdrucksweise? Keinesfalls verschoben
und idealistisch wirkt dieser Architekturstil. Seine Wirkung ist die
eines Pragmatikers, welcher die Welt so nimmt wie sie ist - und der sich
darin arrangiert.
Der Besucher wird beim Eintritt in eine romanische Kirche unmittelbar von einem Gefühl der Geborgenheit, der Sicherheit und inneren Ruhe umfangen.
Wie aber sieht die ungeschminkte Realität im romanischen Mittelalter aus? Das einfache Volk, Bauern und Handwerker, spielen die graue Rolle der Statisten. Als Untergebene und Leibeigene versorgen sie die Mächtigen mit ihren mühevoll erwirtschafteten Erzeugnissen. Aus heutiger Sicht wurden Menschen wie Vieh gehandelt.
Romantik: Nirgendwo kommt der Bruch zwischen menschlichem Verstandesdenken einerseits und sehnsuchts-geleiteter Gefühlswelt auf der anderen Seite stärker zum Ausdruck als in der Romantik. Möglicherweise ist es überhaupt erst ein Einfall der Romantik, ein Gegensatzpaar von Gefühl und Versand zu errichten - und dieser Gegensatz-Definition für die Zukunft faktische Bestandeskraft zu verleihen.
Als kitschig werden manchmal die Bilder von Caspar David Friedrich bezeichnet (ungeachtet der heute erzielbaren Gemälde-Preise). Die zusammengetragenen Märchen der Gebrüder Grimm stehen zudem für das zweite Merkmal dieser Zeit, etwas das man heute als düster bezeichnen könnte: Das Schwelgen im Dunklen, Geisterhaften.

Romantik als Unbehagen an der Moderne, Unbehagen am Fortschritt und Unbehagen am ewigen Wechsel, Erschöpfung an der schneller werdenden Zeit. Positiv ausgedrückt: Romantik als Sehnsucht nach dem Höheren, nach dem Ewigen, Bedürfnis nach dem Bleibenden. Diese Romantik begleitet als Gegner und Verweigerer die technischen, biologischen und medizinischen Fortschrittserfolge des gesamten 19. Jahrhunderts.
(1800 - 1900 n. Chr.). In den Kunstfeldern der Musik und der Architektur wird ihr Geist erst mit einer großen Ernüchterung sterben: dem Beginn des ersten Weltkrieges 1914.
Wie drückt sich nun der romantische Zeitgeist des 19. Jahrhunderts architektonisch aus?
Um 1800 n. Chr, als fast unmittelbarer Gegenbewegung zum Klassizismus, findet sie zunächst gar keinen architektonischen Ausdruck. Auch nach dem Wiener Kongress 1815, der für das 1806 aufgelöste “Heilige römische Reich deutscher Nation” eine mittelalterlich anmutende Kleinstaaterei zementierte, hatte das keinen dingfest zu machenden Impuls auf eine romantische Architektur. Der Biedermeier-Stil, der im deutschen Vormärz (Märzrevolution 1830) “angesagt ist”, wird nur in der Innenarchitektonik wirksam: Möbel, Malerei.
Erst mit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 bzw. mit der Bismarckschen Gründung des “Deutschen Reiches” schienen die geistigen Vertreter der Romantik eine endgültige Vorstellung dessen zu haben, was ihnen auf dem Gebiet der Architektur vorschwebte. Der preußisch-deutsche Sieg gegen die französischen Truppen und die Reichsgründung bewirkten im Nu Wohlstand und hohe Finanzkraft breiterer Großbürgerschichten. Fabrikanten, Bankleute und Professoren begannen, ihre eigenen “Schlösser” errichten zu lassen. Dabei schien die gesellschaftliche Macht-Avangarde ihrem eigenen Fortschritt zu mißtrauen.
Rokoko: Das Rokoko, ungefähr zwischen 1720 und 1780 als Spätphase des Barock auftretend, entwickelt die Epoche des Barock vor allem im Dekorations- und Malereibereich weiter. Die Weichzeichnergemälde von Boucher, Fragonard und Watteau zeugen heute aus dieser Zeit.
Während die pompöse Wuchtigkeit der Barockbauten zunächst erhalten bleibt, verändern sich die Zierelemente dieser Bauten, im Innen- und auch im Außenbereich. Wo sich im schweren Barock die Zierbänder noch streng geometrisch zu Schnecken-Voluten rollen, werden Fenster- und Türeinfassungen und die Mittelrisalite der Schlösser während des Rokoko vom unregelmäßigen Element der Rocaille umtanzt und umflossen. Von diesem Zierelement der Rocaille, was soviel heißt wie “Geröll”, “angehäufte Steinchen”, “Grottenwerk” oder “Muschelwerk”, leitet sich auch der deutsche Epochenname Rokoko ab.

So spielerisch verträumt, wie das Rokoko in den Pastelltönen seiner Gebäude und seiner Gemälde daherkommt, möchte man sich von der leichtfüßigen Träumerei gern einspinnen lassen. Und genau dies schien der Adelsstand jener Zeit zu tun. Und blendete dabei wohl auch den Umstand weg, daß die Zeichen der Zeit längst auf Sturm standen. Die Privilegien der Adelsgesellschaft, die man seit den mittelalterlichen Zeiten bewahrt hatte, wurden mit dem wachsenden technischen Fortschritt in Frage gestellt. Kurze Zeit später, mit dem Auftakt der Französischen Revolution im Jahre 1789, wurde die verzärtelte Lieblichkeit einer degenerierten Adelsgesellschaft durch den Aufstand des erstarkten Bürgertums bestraft.
Rose (Fensterrose): Mit Maßwerk gefülltes Rundfenster im Giebelfeld gotischer Kathedralen. Rotunde Zentralbau oder Raum über kreisförmigem Grundriß.
Rustika: Mauerwerk aus grob behauenen Buckelquadern (Bossen).